Eine große Familie auf der Lovis
Am Sonntag, den 15.8.2010, trafen alle Mitsegler in Greifswald ein, um die erste Nacht an Bord der LOVIS zu verbringen. Wir waren 24 Segelinteressierte nebst einer 3-Mann-Crew.
Da das Schlafen in den Kojen anfangs nun einmal für uns Landratten sehr gewöhnungsbedürftig ist, waren viele von uns am nächsten Morgen doch recht „geschlaucht“.
Nach einem ausgiebigen Frühstück und der Gruppenaufteilung in Piek, Klau, Vorsegel und Besansegel, welches auch die Gruppen für die jeweilige Arbeit an Bord bezügl. kochen und putzen war, ging die Segeltour dann los.
Den einzelnen Gruppen wurde ihre Aufgabe von der Crew um Nadja, Ole und Jorg während des Segelns erklärt z.B. wie man die Seemansknoten macht und vor allen Dingen wie die 5 Segel gehisst, bedient und die Seile ordentlich „aufgehängt“ werden. Denn nach jeder Segeltour werden die Segel natürlich wieder eingeholt und eingepackt.
Von Greifswald segelten wir zunächst hinaus in den Greifswalder Bodden. Wie die nächsten Tage auf diesem Schiff stärkten wir uns zur Mittagszeit mit Stullen, Gemüse, Tee und Kaffee. Am ersten Abend kamen wir in Gager, einem kleinen Hafen auf der Insel Rügen, an. Zunächst gab es dann eine warme Mahlzeit und danach wurde in Gruppen die kleine Insel besichtigt. Zum Glück gab es dort eine Dusche, die wir dann auch gerne benutzten.
Die zweite Nacht an Bord war schon etwas besser, da wir uns schon einigermaßen an die Kojen gewöhnt hatten. 2-3 ,,Seemänner“ suchten dann ihr Glück auf dem Boden des Salons, wo sie die nächsten Nächte dann ebenfalls schliefen.
Am zweiten Tag schipperten wir nach dem Frühstück wieder gleich los. Diesmal führte uns der Wind nach Sassnitz. Vom Wasser aus konnten wir Prora sehen, sowie die Kreidefelsen bewundern, aber leider nur aus der Ferne. Das Wetter war wunderschön, aber leider hatten wir an diesem Tag auf dem Meer eine starke Flaute, so dass wir uns gar nicht oder nur langsam auf Wasser fortbewegten. Zumindest konnten wir auf Deck das wunderschöne Wetter genießen und faulenzen.
Irgendwie erreichten wir, mit Motorkraft, dann doch noch Sassnitz, wo wir auf Wunsch einiger abends essen gingen.
Am nächsten Morgen ging es weiter zur kleinen Vogelinsel „Der Ruden“. Das Wetter hatte sich geändert und es wurde recht stürmisch auf See (Windstärke 5), aber dafür segelten wir mit 7-8 Knoten übers Wasser. Das Segelschiff hatte ordentliche Schräglage dazu der starke Wind und Regen, das konnte nun wirklich nicht jeder gut verkraften.
Zum Glück hatte sich die/der eine oder andere mit Ingwer oder Reisetabletten/Kaugummis versorgt. Auf jeden Fall ernährten sich einige von uns an diesem Tag vorwiegend von trockenem Brot, Zwieback und Salzgebäck, aber eine tolle Erfahrung war es trotzdem. Andere wiederum hatten überhaupt keine Probleme. Jeanette Rassmann war mit ihrer Gruppe mittags in der Kombüse eingeteilt. Mit was für einer Ruhe sie uns mit Tee und anderen Dingen versorgt und wie sie da unten den Wellengang und die Schräglage unter Deck ausgehalten hatte, war schon bewundernswert.
Als wir dann gegen Abend glücklich auf der kleinen Insel ankamen, hatte sich das Wetter etwas beruhigt und einige von uns konnten sogar im Bodden baden gehen. Nach dem Abendessen unternahmen wir einen Ausflug auf der Insel und am nächsten Morgen haben wir uns noch das kleine Informationszentrum über den Ruden angeschaut.
Unsere nächste Etappe führte uns nach Lauterbach auf Rügen, einem kleinen Yachthafen, wo wir wieder duschen konnten. Die Tour mit dem Schiff dorthin war wirklich einmalig, absolutes Segelwetter: Windstärke 5, Segelschiff bei 7 Knoten wieder in Schräglage und strahlender Sonnenschein. Das ließ so jedes Seglerherz hochschlagen und das haben wir alle wirklich sehr genossen.
In Lauterbach war es dann unser letzter Abend und wir konnten bei wunderschönem Wetter noch zum Abschied grillen und abends an Deck einen kleinen Abschied feiern.
Am letzten Morgen, den 20.8.10, ging es zurück nach Greifswald. Es war zwar nicht mehr so windig und sonnig, aber trocken und die Sonne kam doch immer mal wieder raus. Wir kamen pünktlich an und verließen dann die LOVIS wieder in einem sauberen und ordentlichen Zustand, da wir als Mannschaft in Gruppen aufgeteilt noch das komplette Schiff (Kajüten, Kojen, Salin, Kombüse, Deck, Toiletten ect.) geputzt haben.
Als Fazit kann ich sagen, dass es wirklich ein toller Abenteuerurlaub war. Es war schon interessant auf einem Segelschiff als Mannschaft zu arbeiten, sowohl auf Deck als auch in der Kombüse unter Deck. Das Wetter zeigte sich von allen Seiten, ob Flaute, kleiner Sturm, Wind, Regen und Sonnenschein. Zum Glück hatten wir alle die richtige Ausrüstung dabei.
Natürlich darf man den Spaßfaktor an der ganzen Sache nicht vergessen. Man lernt unterschiedliche Leute kennen und wundert sich sehr über manche Eigenarten. Es war manchmal schon recht lustig und im Nachhinein, wenn ich mit meinen Eltern über das eine oder andere rede, wie es auf der LOVIS war, kommen wir aus dem Lachen nicht mehr heraus.
Ich fand, es war eine tolle Truppe und die eine oder andere Familie hat vielleicht neue Bekanntschaften gemacht. Trotzdem sind manche bestimmt froh gewesen, dass sie die Koje wieder mit dem Bett tauschen konnten.
Ich würde gerne wieder so eine Segeltour machen und mich freuen, wenn so etwas noch einmal angeboten wird.
Auf jeden Fall freue ich mich schon, wenn wir ein Wiedersehenstreffen machen.
Eure Nora( 12 Jahre ) und Jeanette Timmer.
Kleine Segelkunde:
Lovis: aus einem ehemaligen Dampfschiff umgebautes Segelschiff nach dem Vorbild des nahezu baugleichen Frachtloggers Wilhelm Lühring.
Piek, Klau: Hauptsegel
Besansegel: hinterstes Segel
Knoten: 1 Seemeile/h = 1,852 km/h
Eine großer Familie auf der Lovis (Teil 2)
Die 24 Landratten von anderthalb bis über 50 Jahre wussten nicht, worauf sie sich einließen, als sie am Sonntag, dem 15.08.2010 die Lovis im Greifswalder Hafen bestiegen. Sie hatten (fast) alle noch nie ein Segelschiff betreten. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Nach einer gewitterschwülen Nacht im Hafen, bei der wohl kein Teilnehmer in den engen Kojen gut geschlafen hat, setzte man auf der Lovis am Montagmorgen die Segel. Begleitet wurde die Mannschaft von einer 3 köpfigen Crew, die das Boot steuerte und die anwies, wie die Segel zu setzen oder einzuholen sind. Abends in Gager (auf Rügen) angekommen, betrachteten auf einer Anhöhe alle den herrlichen Sonnenuntergang, nur um sich anschließend vor Millionen von ausgehungerten Mücken zu retten.
Am nächsten Tag ging es nach Sassnitz. Noch war das Wetter, bis auf ein paar Regenschauer, schön und die Fahrt erholsam gewesen. Nachdem Frauke (15) und Niklas (14) nach der Ankunft im Sassnitzer Hafen nach immerhin 2 Stunden alleine ohne Hilfe der Crew den Außenklver eingepackt hatten (sehr zur Freude von Seemann Ole, der es ihnen zuvor gezeigt hatte und sehr zu ihrem eigenen Stolz), leerte die gesamte Mannschaft ausgehungert die Vorratskammer eines örtlichen Restaurants.
Am Mittwoch steuerte die Lovis den Ruden an, eine kleine Insel zwischen Rgen und Usedom. An diesem Tag erlebte die Mannschaft Windstärke 5, das Segelschiff hat eine starke Neigung, die Wellen schlagen fast über Bord, der Bereitung des Mittagsimbisses wird zur Akrobatik, denn gerade gibt es nicht. Und was bisher noch nicht passierte: Es grassierte die Seekrankheit! Aber alle überlebten, kein Мann über Bord-Ruf schallte über Deck und auf dem Ruden angekommen, wagten sich einige gleich in die kalten Fluten der Ostsee. Die gesamte Insel, die komplett unter Naturschutz steht -wurde besichtigt (eine Wanderung von 10 min). Am nächsten Morgen können Hunderte von weißen Schwänen und Tausende von schwarzen Komoranen von einem Beobachtungsturm aus in relativer Nähe beobachtet werden.
Am vorletzten Tag nahm das Segelschiff Kurs auf Lauterbach. Die Fahrt verlief wunderbar und abends genoss man den Nudelsalat von Birgit und Köstlichkeiten vom Grill.
Das die Fahrt am nächsten Tag schon zu Ende ging, stimmte viele traurig. Sie hatten sich von Landratten in ostseefeste Seeratten verwandelt. Aber einmal ist keinmal: Nächstes Jahr werden die Segel-setzen-Kenntnisse zusammen mit dem Wind um die Nase wieder aufgefrischt!
Außenklver: vorderstes Vorsegel
Frauke Gehrau (15 Jahre)